Berlin, 18. März 2026 – Die GrüneAlternative e.V. hat eine Petition zur Überarbeitung der neuen Denkschrift zur Friedensethik des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gestartet.
Die Kritikpunkte, die die Petition auf change.org im Einzelnen benennt, sind gravierend. Die Denkschrift befürwortet die atomare Teilhabe Deutschlands und hält unter bestimmten Umständen sogar einen begrenzten Einsatz von Atomwaffen für geboten – womit die massenhafte Tötung Unschuldiger als Option legitimiert wird. Präventivschläge werden als Selbstverteidigung dargestellt, ein gefährlicher Bruch mit dem Völkerrecht.
Die sicherheitspolitische Analyse von NATO und Bundesregierung wird nahezu unkritisch übernommen, ohne Raum für Deeskalation oder Diplomatie. Statt Besonnenheit zu fordern, legitimiert die EKD die größte militärische Aufrüstung Deutschlands seit 1945. Waffen-lieferungen werden in den Kontext humanitären Völkerrechts gestellt, ohne die Eskalations-risiken zu reflektieren. Das fünfte Gebot wird durch eine Unterscheidung zwischen Töten mit und ohne Rechtsgrundlage relativiert. Kriegsdienstverweigerer werden als inkonsequent dargestellt, während Friedens-verhandlungen nur dann geführt werden sollen, wenn staatliche Ziele erreichbar erscheinen. Gewaltfreier Widerstand wird als sympathisch, aber wirkungslos abgetan – ein Bruch mit der eigenen Tradition, insbesondere der evangelischen Kirche in der DDR. Und schließlich stilisiert sich die Kirche als Teil staatlicher Resilienzpolitik, statt Brücken zwischen Konfliktparteien zu bauen.
Diese Abkehr von bisherigen Positionen vollzieht sich in einer Zeit, in der die Militarisierung der Gesellschaft immer mehr Lebensbereiche durchdringt – von der Schule über die Wissenschaft bis hin zur Kirche. In einer Zeit, in der der Krieg im Nahen Osten und der Angriff auf den Iran zeigen, wohin die Logik der Eskalation führt. In einer Zeit, in der Europa vor der Frage steht, ob es den Weg der Aufrüstung und der Konfrontation weiter beschreiten oder den schwierigeren, aber nachhaltigeren Weg der Diplomatie und des Interessenausgleichs wählen will. Die evangelische Kirche hat in der Geschichte der Bundesrepublik immer wieder eine wichtige Rolle als moralisches Korrektiv gespielt. In der Nachrüstungsdebatte der frühen 1980er Jahre war es gerade die kirchliche Friedensbewegung, die den öffentlichen Diskurs mitprägte und der Politik Grenzen aufzeigte. In der DDR war die evangelische Kirche Schutzraum für jene, die sich dem militärischen Denken des Staates verweigerten – unter dem Leitwort „Schwerter zu Pflugscharen“, das heute aktueller ist denn je. Von dieser Tradition verabschiedet sich die neue Denkschrift. Sie tauscht die prophetische Stimme gegen die Sprache der Sicherheitspolitik, das Zeugnis des Glaubens gegen die Logik der Abschreckung. Die Petition fordert konkret drei Dinge: die Rücknahme der Denkschrift, die Erarbeitung einer neuen unter breiter demokratischer Beteiligung der Gemeinden und pazifistischen Organisationen, und die Rückkehr zu einer Friedensethik, die der Botschaft Jesu verpflichtet ist. Das sind keine radikalen Forderungen. Es sind Selbstverständlichkeiten für eine Kirche, die ihrem Auftrag treu bleiben will. Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderem Prof. Dr. Karl Hans Bläsius von der Hochschule Trier, der Religionspädagoge Dr. Theodor Ziegler, Prof. Dr. Johannes Varwick von der Universität Halle-Wittenberg sowie die Vorstandssprecher der Grünen Alternative e.V., Karl-W. Koch und Thomas Krings. Innerhalb weniger als 48 Stunden hat die Petition bereits 400 verifizierte Unterschriften gesammelt – ein Zeichen dafür, dass hier ein Nerv getroffen wurde. Die Petition endet mit dem Aufruf an den Rat der EKD: Seid Brückenbauer – nicht Brandbeschleuniger.
