Jesus erzählt von Isaaks Opferung – ein Gottestraum

03.04.2026
Eines Tages kam ein Fremder nach Nazareth. Er trug eine Uniform, schlug eine große Trommel und rief: „Alle jungen Männer sollen zum Richtplatz kommen. Ich habe eine wichtige Nachricht für sie!“
Ruben war neugierig und ging zum Versammlungsort, wo sich ungefähr 30 andere junge Männer trafen.
Der Fremde sagte: „Ich habe eine wichtige Botschaft für euch: die römische Armee sucht Hilfstruppen – Auxilia – um die aufständischen Terroristen, die ihr Zeloten nennt, besser bekämpfen zu können. Ihr bekommt einen guten Sold und wenn ihr euch bewährt und tapfer kämpft, könnt ihr römische Staatsbürger werden! Mindestens 16 Jahre alt müsst ihr aber sein!“

Ruben war erst 15, deshalb ging er etwas enttäuscht weg, wollte aber mit seinem Onkel Jesus darüber reden. Zum Glück kam der schon am nächsten Tag wieder vorbei. Ruben fragte ihn: „Wir sind ja sehr arm, und die Ernte scheint in diesem Jahr auch nicht gut zu werden. Vielleicht sollte ich mich bei den Römern als Soldat ausbilden lassen? Dann könnte ich so viel Sold bekommen, dass wir nicht hungern müssen!“
Jesus antwortete: „Ja, das ist wirklich ein Problem mit der schlechten Ernte! Aber Soldat werden? Weißt du, was da mit dir passiert? Die Ausbildung mit Pfeil und Bogen, das Kämpfen mit dem Schwert und mit der Lanze, das wirst du gut schaffen, denn du bist körperlich gut durchtrainiert, aber was das Militär mit deinem Geist macht, das ist schlimm!“

„Wie meinst du das denn, dodi Jesus?“, fragte Ruben.
„Das Wichtigste beim Militär ist Befehl und Gehorsam“, erklärte Jesus. „Das lernst du da. Du darfst keine Befehle in Frage stellen, du musst das machen, was deine Vorgesetzten sagen. Du darfst nicht selber denken außer im Sinne dieser Befehlshaber. Also: wenn die Römer aus Rache ein Dorf abbrennen wollen und dir den Befehl dafür geben, dann musst du das tun. Oder wenn einer deiner Freunde bei den Zeloten kämpft, dann musst du versuchen, ihn zu töten! Beim Militär wird dein Geist verändert und umgepolt – damit du beim Kämpfen grausam und gefühllos wirst und immer gehorchst!“

Jesus machte eine Pause und überlegte. Dann sagte er: „In früheren Zeiten hatte sogar Gott einen solchen schrecklichen Immer-Gehorsam verlangt! Kennst du die Geschichte von Abraham, als Gott ihm befahl, seinen Sohn Isaak zu opfern?“ – „Ja“, erwiderte Ruben. „Die hat uns der Rabbi immer wieder erzählt, er sagte, Abraham wäre ein tolles Vorbild des Glaubens gewesen.“
Jesus erzählte: „Abraham hatte genau wie ich in der Wüste einen starken Traum, in dem er dieselbe Stimme gehört hat wie ich. Die Stimme sagte zu Abraham: ,Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak! Zieh ins Land Morija und opfere ihn als Brandopfer auf dem Berg, den ich dir zeigen werde!’“

Ruben erinnerte sich: „Du hast der Stimme nicht gehorcht, dodi Jesus.“
Jesus nickte und erzählte weiter: „Aber Abraham hat versucht, den Befehl 1:1 umzusetzen. Abraham war radikal, er ging bis zum Äußersten, er schwang sogar das Messer gegen seinen eigenen Sohn. Erst eine neue Stimme, die er in diesem Moment vielleicht in seinem Gewissen spürte und hörte, diese Stimme des Engels von Gott, brachte ihn dazu, die grausame Tat nicht durchzuführen. So war vielleicht die ursprüngliche Geschichte, die dann später mit der Deutung versehen wurde, dass Gott Abraham prüfen wollte, ob er bis zum letzten gehorsam sein würde.

Ruben fragte: „Aber warum steht das dann so in den heiligen Schriften?“
Jesus freute sich über diese Frage und erklärte: „Die jüdischen Priester in Babylon haben diese Geschichte aufgeschrieben. Und diese Priester hatten ein Interesse am Gehorsam. Die Könige und Priester haben immer wieder den Gehorsam betont und damit auch Kriege als Gottes Willen gerechtfertigt. So wurden dann erneut viele Söhne einem grausamen Gott geopfert.

Deshalb ist es sinnvoll, hinter die Geschichte der Bibel zu schauen. In Wirklichkeit waren es vielleicht zwei unterschiedliche starke Stimmen in Abraham. Die eine Stimme war der Gehorsam, der Zwang, das was er zunächst als Gottes Befehl empfand, durchzuführen. Die andere Stimme war die Befreiung vom Gehorsam, die Auflehnung, der Kampf gegen die Grausamkeit, der Sieg der Liebe. Abraham muss wohl vorher diese Stimme ganz leise in sich gespürt haben, denn er hatte ja zu Isaak gesagt: „Gott wird schon für ein Lamm sorgen!“ Damit deutete Abraham an, dass er irgendwie einen Ausweg aus der furchtbaren Situation erwartete. Und Gott sei Dank war Abraham dann dieser Stimme des Engels gehorsam.“

Eine Frage hatte Ruben noch: „Darf man denn überhaupt Soldat werden?“
Jesus überlegte und sagte dann: „Die Soldaten werden zum Töten und Morden trainiert und gedrillt, und durch die Kriege gibt es immer wieder neue Feindschaften und Rachekriege. Deshalb, Ruben, sollte man nicht Soldat werden, außer vielleicht, es gäbe eine Armee, die die Soldaten nicht zu blindem Gehorsam erzieht, sondern zu Menschen, die auch bereit sind, sich mit ihren Feinden zu versöhnen und die nur im äußersten Notfall kämpfen. Aber eine solche Armee kenne ich nicht.“

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Der vorstehende Text stammt aus dem Buch
Gottesträume – Biblische Geschichten neu erzählt
von Johannes Treblin
Es wurde 2016 veröffentlicht und erhielt im Jahr 2026 aus aktuellem Anlass (Wehrpflicht) das Zusatzkapitel „Jesus erzählt von Isaaks Opferung“
Zu beziehen ist das Buch beim Autor
Johannes Treblin, Kapt.-Sassen-Str. 3, 26871 Papenburg, Tel. 04961/8097399 Handy 0176/96027925; e-mail: treblin@t-online.de
Verkaufspreis: 7,00 € – davon geht 1,50 € an den Verein «Aukiju» zur Förderung aufsuchender kirchlicher Jugendarbeit in Papenburg