23.08.2026
Im Jahr 2019 erschien im VSA-Verlag Hamburg der Sammelband „Die Linke und die Religion“. Auf dem Katholikentag im Mai in Würzburg wurde es am Stand der Rosa-Luxemburg-Stiftung noch kostenlos an Interessierte vergeben, nun ist es allerdings nicht mehr in Buchform lieferbar. Auf der Homepage der Rosa-Luxemburg-Stiftung kann man es allerdings als PDF herunterladen. Das hat sogar den Vorteil, dass man über die Suchfunktion nach bestimmten Themen suchen kann.
Nachfolgend übernehmen wir die Buchvorstellung des Verlags:
Kirche und sozialistische Arbeiterbewegung hatten von Anbeginn ein schwieriges Verhältnis. Was heißt das für Linke heute? Wie sehen sie das Verhältnis der Religionen zum Staat, im Streit um Kopftuch, Militärseelsorge oder Religionsunterricht? Und was sind die Maßstäbe für eine linke Religionspolitik?
Es ist eine konfliktreiche Beziehung, die Linke zu Religionen und Kirchen haben. Von Beginn an haben die Kirchen die sozialistische Arbeiterbewegung als atheistisch und kirchenfeindlich verdächtigt oder bekämpft. Für Linke wiederum war Religion oft nur falsches Bewusstsein, »Opium des Volkes« (Marx), schädlich im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Das kritische und utopische Potenzial von Religion, auch von den Kirchen viel zu oft unterdrückt, findet kaum Beachtung.
Eine Linke, die sich dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit verpflichtet, ist herausgefordert, neu zu fragen, wie eine offene Gesellschaft sozial, politisch, kulturell und weltanschaulich plural gestaltet und wie eine zeitgemäße linke Religionspolitik erarbeitet werden kann. Denn auch die Religionen sind ein umkämpfter Ort beim Unterfangen, »alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist« (Marx). Damit wird ein Maßstab von Gesellschaftsveränderung formuliert, der für die Linke seine Gültigkeit behalten sollte und eine Grundlage für die Allianz von säkular oder religiös motivierten Emanzipationsbewegungen bildet.
Konkret wird das Buch im Kapitel Christlicher Glaube und antikapitalistische sowie sozialistische Theorien: »Als Sozialist kann man ein Christ sein, als Christ muss man ein Sozialist sein.« Dieser programmatische Satz stammt von dem religiösen Sozialisten und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime Adolf Grimme (1889-1963).
Zum Hintergrund wird erläutert: Als Grimme es 1946 formulierte, redete er einem hoffnungsvollen Neuanfang das Wort und irritierte – übrigens damals nicht weniger als heute. Für Grimme lässt die Bibel Christinnen und Christen keine Wahl hinsichtlich eines Ziels, das er mit Sozialismus benennt. Was immer im Detail damit gemeint sein mag, so geht es doch immer um die grundlegende Überzeugung, dass nicht die Profitinteressen weniger die gesellschaftliche Entwicklung bestimmen dürfen.
Lesenswert erschien uns übrigens auch das Kapitel Der Islam in einer pluralistischen Gesellschaft von Faizan Ijaz und Saadat Ahmed. Es beschreibt die Entstehung der Religion von der Gründung durch Muhammad bis zur Position des Islam in der heutigen Welt. Hier erfährt man, dass der »Islam« in Europa kein Phänomen der Neuzeit ist, denn bereits im 7. Jahrhundert n. Chr. trat die Religion in Europa in Erscheinung. Etwa zehn Jahre nach dem Ableben des Begründers des Islam, des Propheten Muhammad, fassten Muslime mit der Eroberung der im Nordkaukasus gelegenen Region um Dagestan Fuß in Europa. Dies war die Geburtsstunde des Islam in Europa, gefolgt von der Eroberung Andalusiens mit der Gründung eines muslimischen Reiches.

