Streit um Windpark im Eleonorenwald: Grünen-Ratsherr Henseleit legt Mandat nieder

27.06.2026
Der Gruppenvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke in der Samtgemeinde Werlte, Werner Henseleit, hat sein Mandat niedergelegt. Anlass seien die Planungen für einen großflächigen Windenergiepark im Bereich des Eleonorenwaldes im Emsland. In einer persönlichen Erklärung kritisierte Henseleit insbesondere die Auswirkungen der Projekte auf Natur- und Landschaftsschutz sowie den Naturpark Hümmling. Hierüber berichtete zuerst die Ems-Vechte-Welle.

Auf Nachfrage hat uns Werner Henseleit seine persönliche Erklärung zur Veröffentlichung freigegeben. Wir übernehmen den vollständigen Text, um nicht wesentliche Aspekte durch Kürzungen auszusparen.

Persönliche Erklärung
Der im Bau befindliche „Windindustriepark“ am Eleonorenwald führt für mich zu politischen Konsequenzen. Dazu möchte ich eine persönlichen Erklärung abgeben.

Seit meinem Einstieg in die emsländische Kommunalpolitik Ende der 90er Jahre konnte ich erleben, wie falsche Planungspolitik für die so dringend benötigte Energiewende tiefe Gräben in den Dorfgemeinschaften entstehen lässt.

Anfangs waren Einzelanlagen für Bauern privilegiert, die ohne Rücksicht auf die Belange von Nachbarn genehmigt wurden. In Rastdorf waren wir bald von 22 Einzelanlagen umzingelt. Dann wurde das Baurecht verändert und Windparks sollten Ordnung und Planungssicherheit schaffen.

In der SG Werlte aber gingen überdimensionierte Planungen zulasten von Natur- und Landschaftsschutz einfach weiter. Auf dem einzigen landschaftlich reizvollen Höhenzug unserer Samtgemeinde – z.B. – wurden nun noch größere und höhere WKA genehmigt. Getrieben wurde der Boom von skrupelloser Profit- und Einnahmegier, die geschickt auch auf die Bürger*innen übertragen wurde. Das Stichwort „Bürgerwindpark“ gilt für diejenigen, die das nötige Spielgeld für Beteiligungen haben.

Es folgte eine Phase der Beruhigung, und ich hatte gehofft, politisch irgendwie meinen Frieden mit der Windindustrie und ihrem aggressiven Planungsmanagement finden zu können.

Und dann das: eine Vorgabe der Landesregierung macht sich der Kreis zu eigen, um das größte zusammenhängende Waldgebiet im Emsland industriell zu überformen. Der Schaden für die Natur, die Landschaft und für den Naturpark Hümmling wird bagatellisiert.

Ich war die einzige Stimme im politischen Raum, die schon frühzeitig mit „Nein“ gegen die Ausweisung dieser Potentialfläche gestimmt hat. Der Landkreis unter Mitwirkung unserer Gemeindebürgermeister und -kreistagsabgeordneten im Verbund mit privaten Investoren und Flächeneigentümern präsentierte uns die Planung als angeblich alternativlos. Gelockt wurde mal wieder mit Profiten und Einnahmen.

Jetzt – wo alles gelaufen ist und 3 Monate vor der Kommunalwahl – kommen plötzlich Protagonisten um die Ecke, die manchmal tapfer und ehrlich, aber oft auch berechnend und scheinheilig auf Widerstand setzen. Zu aufrichtigen Gegnern zähle ich ausdrücklich die Initiative um eine Rastdorfer Anwohnerin, zu den Scheinheiligen zähle ich die Ortsvereine von Parteien. Letzteren geht es nur um Kuhhandel für noch mehr Geld und um die Wählerstimmen der Unzufriedenen.

Diese Stimmen wird aber die Klimaleugnerpartei AfD einsammeln, die sich jetzt ungefragt in den Widerstand eingeklinkt hat. Das hat – wie so oft durch ihre ignorante Politik – vor allem die CDU zu verantworten, die das rechte Fahrwasser immer breiter werden lässt.

Für mich ist an dieser Stelle mein ratspolitisches Engagement auf kommunaler Ebene zu Ende. Mir fehlt leider die politische und inzwischen auch persönliche Kraft, um einen breiten Widerstand gegen den Windindustriepark und für Natur- und Landschaftsschutz zu organisieren … und gleichzeitig die Vereinnahmung einer solchen Bewegung durch die neuen Nazis abzuwehren. Ich möchte niemals mit Leuten in einer Reihe stehen, die vor 30 Jahren bei mir zuhause noch schweren Hausfriedensbruch begangen haben.

Es ist ein Dilemma: Befürworter der Energiewende zu sein und sich gleichzeitig gegen Fehlplanungen zulasten der Natur wehren zu müssen. Dieses Dilemma kann ich nicht auflösen.Daher lege ich heute mit sofortiger Wirkung mein Ratsmandat in der Samtgemeinde Werlte nieder und möchte das auch ausdrücklich als Protest gegen den Ausverkauf unserer Naturräume an die Windindustrie verstanden wissen.
Werner Henseleit